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Warum ich beim Kundalini Yoga ein Tuch auf dem Kopf trage

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(Ein persönlicher Erfahrungsbericht)


Wenn ich abends meine Kundalini-Praxis beginne, gibt es für mich diesen einen kleinen Moment der Stille, bevor alles anfängt. Ich setze mich hin, atme tief durch – und dann nehme ich mein Seidentuch. Ganz bewusst. Ich liebe dieses Ritual. Schon das Auflegen fühlt sich an wie ein sanftes Ankommen bei mir selbst.


Ich wickle das Tuch locker um meinen Kopf, spüre den Stoff auf meiner Haut, dieses feine, glatte Gefühl der Seide. In dem Moment verändert sich etwas in mir – fast wie ein Schalter, der umgelegt wird. Ich merke, dass ich präsenter werde. Mein Geist zieht sich ein Stück nach innen zurück, die Gedanken werden klarer, ruhiger. Es ist, als würde das Tuch meine Energie bündeln, als würde es sie „bei mir halten“.


Ich kann nicht sagen, dass das eine reine Theorie ist – ich spüre es wirklich. Ohne das Tuch fühle ich mich offener, weiter, manchmal auch etwas zerstreuter. Mit dem Tuch habe ich das Gefühl, dass meine Energie sich sammelt, dass sie durch die Übungen intensiver fließt. Besonders in den Momenten, wenn wir Mantras chanten oder tief meditieren, entsteht eine ganz eigene, geschützte Atmosphäre unter dem Stoff.


Es ist, als würde das Tuch mir helfen, mich von der äußeren Welt abzugrenzen – liebevoll, nicht abweisend. Ich fühle mich geborgen, fokussiert, und irgendwie auch energetisch stabiler. Das Tuch erinnert mich daran, dass ich mich gerade bewusst entscheide, ganz da zu sein – für mich, für meinen Atem, für meine Praxis.


Ich weiß, dass es in der Kundalini-Tradition heißt, das Bedecken des Kopfes unterstütze den Energiefluss und stabilisiere das Kronenchakra. Ob man das wissenschaftlich belegen kann, ist mir gar nicht so wichtig. Für mich ist es gelebte Erfahrung. Ich spüre, dass etwas geschieht, und das reicht mir.


Außerdem hat es für mich etwas zutiefst Ritualhaftes. Dieses kleine, wiederkehrende Zeichen: Jetzt ist Zeit für mich. Jetzt ist Zeit für Bewusstsein. Ich liebe diese Einfachheit. Es ist kein Dogma, kein Muss – sondern eine Geste, die mich immer wieder zurück zu meiner Mitte bringt.


Und ich glaube, genau das ist es, was viele von uns suchen: eine Form, sich zu erinnern, wer man ist – auch mitten im Alltag, in der Hektik, im ständigen Außen. Das Tuch ist für mich wie ein Anker. Es verbindet mich mit dem Moment, mit meiner eigenen inneren Stärke und mit dem Gefühl, dass ich mich selbst halten kann.


Manchmal fragen mich Schüler oder Freunde: „Warum trägst du das Tuch? Ist das vorgeschrieben?“

Dann lächle ich.

Nein – es ist keine Vorschrift. Es ist meine Entscheidung. Es ist meine Art, mich zu zentrieren, mich zu schützen und meine Energie bewusst zu lenken.


Und wenn du es einmal ausprobieren magst: Mach es auf deine Weise. Vielleicht mit Baumwolle, vielleicht mit Seide. Vielleicht locker gebunden oder fest. Spüre, was es mit dir macht. Es geht nicht darum, Regeln zu befolgen – sondern darum, dich selbst zu spüren.


Für mich ist es ein kleines Stück Stille, das ich mir selbst schenke. Und jedes Mal, wenn ich mein Tuch aufsetze, weiß ich: Ich bin da. Ganz bei mir.


Sat Nam 🤍

 
 
 

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