Wenn Erwartungen lauter sind als meine eigene Stimme
- Nelia Erler

- 21. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Manchmal sitze ich da und frage mich ganz ehrlich:
Wann habe ich eigentlich angefangen zu glauben, dass ich immer stark sein muss?
Nicht nur nach außen.Sondern auch für mich selbst.
Ich habe lange funktioniert. Habe alles organisiert, getragen, gehalten. Familie, Alltag, Emotionen, Termine – und dabei möglichst gelächelt. Stark sein war kein Ziel, es war selbstverständlich. Und irgendwann habe ich gar nicht mehr gemerkt, dass ich mich selbst dabei ein Stück verloren habe.
Jetzt, in dieser Phase meines Lebens, fühlt sich vieles anders an.
Schneller zu viel. Schneller zu nah. Schneller zu schwer.
Und sofort stehen sie im Raum, diese Versuche einer Erklärungen:
„Das sind die Wechseljahre!!“, „Oder vielleicht eine Depression??“, „Bin ich einfach empfindlicher geworden??“
Vielleicht stimmt manches davon. Aber manchmal fühlt es sich an, als würde man meine Gefühle damit kleiner machen. Als wären sie nur noch biochemische Nebenwirkungen.
Ja, mein Körper verändert sich und das ist gut so. Ja, meine Hormone tanzen manchmal(immer öfters) ihren eigenen Rhythmus den nur ich zu tanzen vermag. Aber heißt das automatisch, dass meine Traurigkeit nicht echt ist? Dass meine Erschöpfung keinen Grund hat? Dass meine Wut unbegründet ist?
Ich beginne zu spüren, dass es nicht nur um Hormone geht. Es geht um Grenzen.
Um all die Momente, in denen ich über meine eigenen Bedürfnisse hinweggegangen bin.Um das „Ich schaffe das schon“. Um das „Ist nicht so schlimm“. Um das „Andere haben es schwerer oder leichter“.
Vielleicht meldet sich mein Körper gerade nicht gegen mich –sondern für mich.
Und ja, manchmal taucht auch das Wort Depression auf. Leise. vorsichtig. Vielleicht aus Sorge. Vielleicht aus Angst. Und ich merke, wie schnell ich innerlich in Abwehr gehe, weil ich nicht in eine Schublade möchte. wo unsere schöne Gessellschaft uns immer wieder versucht aufzudrücken.
Aber was, wenn selbst das kein Makel wäre? Was, wenn es einfach bedeuten würde, dass ich zu lange stark war?
Ich glaube, diese Zeit ist ein Übergang. Kein Abstieg.Es fühlt sich eher an wie ein inneres Aufräumen. Das letzte mal hatte ich so ein Chaos im Kopf als ich in der Pupertät war.
Was gehört wirklich zu mir? Was habe ich nur übernommen weil man das so macht ? Wo bin ich ehrlich – und wo spiele ich noch eine Rolle eine Rolle wo ich gar nicht spielen muss:
Ich merke, wie meine innere Stimme lauter wird. Nicht aggressiv. Aber klarer.
Sie sagt: Ich bin müde – also brauche ich Ruhe. Ich bin traurig – also brauche ich Mitgefühl. Ich bin wütend – also stimmt etwas nicht und ich lass es raus.
Nicht Bewertend. Nicht Etiketierend. Sondern Zuhörend und nachdenkend verstehen.
Vielleicht ist das meine neue Form von Stärke für mich. Nicht mehr alles auszuhalten. Nicht mehr alles wegzudrücken. Sondern mich selbst ernster zu nehmen und auf mein inneres zu hören. Manchmal fühle ich mich verloren aber das ist auch nicht schlimm denn ich finde mich auch immer wieder und gehe mit neuen Erkenntnissen weiter .
Liebe grüsse
Namaste Nelia







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