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Die Schattenseite des Yoga


– oder: Warum ich nicht mit Fell bezahlt werden möchte.


Weltweit praktizieren mittlerweile geschätzt 200 Millionen Menschen Yoga. Die Matten liegen in jedem Wohnzimmer, jede zweite Story zeigt eine neue Pose, und man könnte meinen, das Bewusstsein steigt automatisch mit der Yogastunden-Zahl. Tut es auch – bei vielen. Aber ich möchte heute mal über die andere Seite schreiben. Die, die niemand postet.

Vom Anfänger zum "alten Hasen"

Ich war mal die, die ganz am Anfang stand. Habe erfahrene Yogalehrer:innen besucht, ihnen zugeschaut, gelernt, gesaugt wie ein Schwamm. Das ist auch richtig so – niemand fällt fertig ausgebildet vom Himmel, und Erfahrung sammelt man nur, indem man unterrichtet, Fehler macht, wieder unterrichtet.

Aber inzwischen bin ich selbst in dem Alter, das man den "alten Hasen" nennt. Und mit dem Alter kommt eine Verantwortung, die mir am Anfang gar nicht so bewusst war. Man ist nicht mehr nur für die eigene Praxis verantwortlich, sondern für das, was man weitergibt.

Die Kundin, die keine schnellen Bewegungen wollte

Eine Teilnehmerin hat mir mal erzählt, warum sie zu mir kam und nicht bei Zumba geblieben ist: nicht weil Zumba schlecht ist – überhaupt nicht, Zumba kann eine wunderbare Ergänzung sein –, sondern weil sie etwas anderes gesucht hat. Zeit für sich. Kein Tempo, keinem Trend hinterherlaufen. Einfach ankommen.

Das hat mir noch mal klargemacht, wofür Yoga eigentlich da ist. Nicht die nächste Pose, nicht die perfekte Ausführung. Sondern der Raum, den man sich selbst gibt.


Zerrungen, Tabletten und leere Räume

Und jetzt zur eigentlichen Schattenseite, meiner ganz persönlichen: Ich musste – und muss immer noch – sehr viel auf meinen eigenen Körper lernen zu achten. Es gab Unterrichtseinheiten, nach denen ich Tabletten nehmen musste, weil ich mir etwas gezerrt hatte. Es gab Tage, an denen nur eine oder zwei Personen im Raum saßen, und die Motivation war im Keller.

Ich will hier niemanden schlechtreden – auch mich selbst nicht. Wachsen ist einfach harte Arbeit. Das hat mir keiner in der Ausbildung so gesagt. Man stellt sich das freier vor, luftiger. In Wahrheit ist es ein Handwerk, das man sich über Rückschläge erarbeitet.


Was mich trotzdem hält

Was mich bis heute antreibt, ist meine eigene Neugier. Besonders im therapeutischen Yoga finde ich es faszinierend, welche Muskelgruppen kaum oder nie bewegt werden – und wie sofort spürbar das wird, sobald man sie anspricht. Deshalb baue ich meinen Unterricht bewusst mit Abwechslung auf. Nicht, weil es hip klingt, sondern weil durchdachte Planung für mich auch eine Form von Ehrlichkeit ist – dem Körper der Teilnehmenden gegenüber und mir selbst gegenüber.

Und dann die Sache mit dem Geld


Zum Schluss noch eine Anekdote, die ich mit einem Lächeln erzähle, obwohl sie mich im Moment ziemlich sprachlos gemacht hat: Jemand kam auf mich zu und meinte: "Du bist doch Yoga – dann kannst du mir doch sicher umsonst helfen?"


Ich hab tief durchgeatmet. Denn ja – ich habe meine Ausbildung bezahlt. Die Fahrtkosten. Die Homepage. Und nein, ich kann davon leider nicht mit Fell oder mit einem Teller Essen bezahlt werden. So gerne ich helfe, so sehr ist das hier auch mein Beruf und meine Existenz.


Yoga ist Hingabe, ja. Aber Hingabe heißt nicht Selbstaufgabe. Und ich finde, das darf auch mal jemand offen sagen.


Namasté – und ein bisschen Realismus dazu.


Namaste eure Nelia


 
 
 

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